Wien, 9. November 2016

09 Nov 2016

Ich laufe durch die Straßen Wiens und weiß nicht so genau wohin. Letzte Nacht habe ich wenig und schlecht geschlafen. Als um 5 Uhr Morgens die Wahrscheinlichkeit eines Sieges Trumps auf über 90% gestiegen ist, bin ich ins Bett. Jedes Mal wenn ich aufgewacht bin hatte er mehr Stimmen im Electoral College. Irgendwann war er Präsident.


Trump ist ein Egoist; er nimmt sich was er will ohne sich um die Konsequenzen zu kümmern. Seine Taten haben keine Konsequenzen für ihn weil er Macht hat und kein Schamgefühl. Bislang kam seine Macht aus seinem Reichtum und seiner Bekanntheit, ab 20. Jänner 2017 hat er tatsächliche politische Macht.


Die Zeit wird zeigen ob er wirklich eine Mauer zu Mexiko bauen wird, ob er wirklich Clinton versucht einzusperren, aber es geht nicht nur um Donald Trump. Mike Pence wird Vizepräsident sein, ein Typ der Leuten die Homosexualität mit Elektroschocks austreiben will, der verlangt, dass Frauen ein Begräbnis für totgeborene Föten abhalten müssen. Es geht um den Senat und das die Republikaner jetzt das Weiße Haus, den Senat und das Repräsentantenhaus kontrollieren. Es geht um den freien Sitz im Supreme Court, den Trump besetzen kann. Damit müssen die Amerikaner nicht nur vier Jahre leben sondern eine Generation.


Die USA sind weit vielleicht geographisch weit weg, aber der Hass ist ganz nah. Präsident Trump ist der größte Sieg für die Neue Rechte bisher, aber nicht der Letzte. Am 4. Dezember hat Norbert Hofer gute Chancen der österreichische Bundespräsident zu werden. 2017 Le Pen in Frankreich? Pegida und die AfD in Deutschland. Die Rechten erstarken überall in Europa und die traditionellen, konservativen Volksparteien ziehen mit und verschieben die Mitte nach rechts. Was gestern noch unsagbar war ist heute das neue normal.


Ich will nicht das Rassismus, Sexismus und Homophobie wieder zur Normalität wird. Hass soll nicht wieder der Standard sein. Wir haben in den letzten Jahrzehnten so viel erreicht und ich will nicht wahrhaben, dass wir Schritt für Schritt zurück gehen. Es hat angefangen mit der französischen Revolution, aber wir sollten nicht wieder zu einem Stand kommen bei dem Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit nur für weiße, heterosexuelle Männer gelten.


Zum Ende die Worte einer Kommentatorin im US Fernsehen:

I have nothing left to lose so I will say it: This is white supremacy's last stand.